Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit

Regie: Yulia Lokshina / Dokumentarfilm

Wiederaufführung: 03. Dezember 2020

„Höhepunkt auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis“ „Zwei Wirklichkeiten zwischen Migration und Komfortzone“

- Filmdienst

„Besonders eindrucksvoll wirkt der Film durch seine Zurückhaltung. Es geht ihm nicht um die Emotionalisierung von Einzelschicksalen, sondern eine umfassende Kritik der Verhältnisse.“„Yulia Lokshina nimmt die Zuschauer:innen mit in die Verantwortung und verleiht ihrem Dokumentarfilm eine nachhaltige Wirkung, die über die Spielzeit von 92 Minuten hinaus geht.“

- FILMLÖWIN

Ihr Film "Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit" ist eine raffinierte Studie über Wirtschaftsstrukturen, Konsumverhalten und Fragen der Verantwortung. Plötzlich hat Lokshina damit aber den Film zur Stunde gemacht."

- SZ

Die Geschichte

In der westdeutschen Provinz kämpfen osteuropäische LeiharbeiterInnen des größten Schweineschlachtbetriebs des Landes ums Überleben – und AktivistInnen, die sich für deren Rechte einsetzen, mit den Behörden. Zur gleichen Zeit proben Münchener GymnasiastInnen das Stück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ und reflektieren über die deutschen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu.

Verwoben mit den Gedankengängen der Jugendlichen und ihrer Auseinandersetzung mit dem Text in den Proben erzählt der Film in unterschiedlichen Fragmenten über Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland.

 

Bester Dokumentarfilm auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2020

Begründung der Jury:

Feinfühlig, vom ersten Moment an fesselnd und vielschichtig öffnet der Film den Blick für ein großes Problem unserer Gesellschaft. Dabei lenkt er in einer dramaturgisch sich verdichtenden Erzählung unsere Aufmerksamkeit behutsam auf das, was niemand sehen will: Die beklagenswerte Zeitlosigkeit des kapitalistischen Ausbeutungssystems manifestiert sich auch mitten in unserer Gesellschaft. Ohne zu predigen setzt der Film auf Beobachtung, Empathie und intellektuelle Durchdringung der Thematik. Durch seine filmische Versuchsanordnung gelingt der Regisseurin ein ganz eigener Zugang, der das Publikum aufgewühlt zurücklässt. Der Preis der Dokumentarfilm-Jury für den besten Dokumentarfilm geht an „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ von Yulia Lokshina.

Jurymitglieder: Sigrun Köhler, Damian Scholl, Joana Scrinzi

Kinotermine
Datum
Stadt
Kino
Anlass und Gäste
03.12.-09.12.20
Karben
03.12.-09.12.20
Wolfhagen
06.12.2020
Schwabach
Sonderveranstaltungsreihe über Nahrungsmittel und Ökologie gezeigt
10.12.-16.12.20
Kelkheim
10.12.-16.12.20
Büdingen
11.12.2021
Lünen
Dokumentarfilmwettbewerb
Mit Gast: Yulia Lokshina
09.05.2021
Paderborn

Weitere Termine folgen!

Pressestimmen

ARD ttt: „Leben wie im Schweinestall. Das Wohl von Mensch und Tier auf dem absoluten Tiefstand. Eine Parallelgesellschaft, versteckt hinter Zäunen und strengen Sicherheitsvorkehrungen.“
„Im Mittelpunkt sollen die Geschichten der Menschen stehen, ohne reißerische Bilder, die nur ablenken würden. So wirken die Erlebnisse der Arbeiter*innen umso wuchtiger.“

ZDF HEUTE JOURNAL: „Der Film geht behutsam mit seinen Protagonisten um“
„Der Film ist unerwartet aktuell, er gibt den Unsichtbaren ein Gesicht“

NDR HALLO NIEDERSACHSEN:„Der Dokumentarfilm fordert dazu auf, die Wohlstands- und Wohlfühlecke zu verlassen…“

Süddeutsche Zeitung: „Ihr Film “Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit” ist eine raffinierte Studie über Wirtschaftsstrukturen, Konsumverhalten und Fragen der Verantwortung. Plötzlich hat Lokshina damit aber den Film zur Stunde gemacht.”

SR 2: „Die Dokumentarfilmerin Yulia Lokshina hat nicht erst seit dem Fall Tönnies ein Auge auf die deutsche Fleischindustrie und ihren Umgang mit den meist osteuropäischen Ausbeinern.“

WDR: „Die Dokumentarfilmerin Yulia Lokshina hat vor drei Jahren begonnen, die Zustände in der ostwestfälischen Fleischindustrie zu durchleuchten.“

O EINS (Oldenburg Lokalsender)„Der Film ist besonders erwähnenswert, (…), auch weil es ihm gelingt, einer der großen gesellschaftlichen Probleme der Region darzustellen.“

„Der Film gibt tiefe Einblicke in ein völlig zerfahrenes System.“

Berliner Zeitung: „In exzellenten Bilder und genau komponierter Dramaturgie zeigt Lokshina westfälische Fleischfabriken und die schlechte Behandlung der Menschen, oft Migranten, die dort arbeiten – mitten in Deutschland glaubt man plötzlich, die Dritte Welt zu sehen.“

SR: Interview mit Yulia Lokshina

Pforzheimer News: „Risikogruppen“: Neue Ausstellung zeigt Filme und Installationen von Preisträgerin Yulia Lokshina

Die Glocke: „Der Film mit dem Titel „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist keine leichte Kost.

Kirche und Leben: „Brandaktuelle Kapitalismuskritik.“

Artechok: „Der Film fragt auch danach, wer etwas ändern muss: Die Gesell­schaft, der Konsument, die Politik oder auch die Unter­nehmen.“

Melodie und Rhythmus: „Die >weissen Nigger< der Schlachthöfe“

Saarbrücker Zeitung: „Von der ersten Minute an ist klar: Mit einem guten Gewissen wird keiner den Kinosaal verlassen – und das ist gut so.“

SWR2: Interview Yulia Lokshina

NDR„Film über osteuropäische Schlachthelfer geht unter die Haut“

FILMLÖWIN: „Besonders eindrucksvoll wirkt der Film durch seine Zurückhaltung. Es geht ihm nicht um die Emotionalisierung von Einzelschicksalen, sondern eine umfassende Kritik der Verhältnisse.“
„Yulia Lokshina nimmt die Zuschauer:innen mit in die Verantwortung und verleiht ihrem Dokumentarfilm eine nachhaltige Wirkung, die über die Spielzeit von 92 Minuten hinaus geht.“

FILMDIENST: „Höhepunkt auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis“
„Zwei Wirklichkeiten zwischen Migration und Komfortzone”

DRAN: „Der Zuschauer bekommt einen Einblick davon, wie der Alltag von Leiharbeitern aussieht. Schockiert bleibe ich zurück und frage mich, was ich als einzelne Konsumentin noch tun kann, außer wie bisher kein Billigfleisch zu kaufen.“

GALORE: „Der Dokumentarfilm kommt dabei insofern wenig didaktisch daher, als viel gezeigt, aberwenig erklärt wird. Die Botschaft ist gerade deshalb umso stärker: Wo der Preis jede Entscheidung bedingt, verliert zwangsläufig alles andere an Wert.“

Presse/KinobetreiberInnen

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Filmpreise/Festivals

2020

Megaherz Student Award – DOK.fest MÜNCHEN

41. Filmfestival Max-Ophüls-Preis – Gewinner Bester Dokumentarfilm
11. Kirchliches Filmfestival Recklinghausen
30. Filmkunstfest Mecklenburg Vorpommern
17. Neisse Filmfestival

RegisseurIn

Biografie Yulia Lokshina

Yulia Lokshina ist 1986 in Moskau geboren. 2011 nimmt sie ihr Studium der Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München auf, während dem sie u.a. die kurzen Dokumentarfilme „Tage der Jugend“ und „After War“ realisiert. Im Rahmen ihrer Arbeit am Forum Internationale Wissenschaft Bonn entstehen parallel audiovisuelle Projekte an der Schnittstelle von Film und Wissenschaft sowie Vorträge und Publikationen zum Dokumentarischen. „Tage der Jugend“ (2016) verfolgt das Leben eines militär- patriotischen Jugendlagers an der russischen Fernost-Peripherie und untersucht das Verhältnis von Patriotismus und Jugenderziehung. Er wurde 2016 auf der Duisburger Filmwoche uraufgeführt und 2017 mit dem Starter Filmpreis der Stadt München ausgezeichnet. „After War“ (2017) befasst sich mit den Spätfolgen des Vietnamkriegs und begleitet US Veteranen, die heute am Ort ihrer früheren Einsätze leben. Für die experimentelle Videoarbeit „Subjektive Hill“ erhält sie 2018 zusammen mit der Künstlerin Angela Stiegler das Medienkunststipendium der Kirch Stiftung sowie den Videodox Förderpreis 2019. „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist ihr Diplomfilm an der HFF München.

Regiekommentar Yulia Lokshina: Der Film beginnt mit der Geschichte eines polnischen Arbeiters, der in einem deutschen Fleischwerk unter unklaren Umständen in eine Maschine gezogen worden und ums Leben gekommen ist. Die wenigen rekonstruierbaren Einzelteile dieses Falls werden wiederholt von der Frage umklammert, ob man sich erinnern könne. Natürlich kann man das nicht, denn es ist nur ein Fall unter vielen. Der Prolog versucht auf eine Perspektive hinzuweisen, mit der wir eine Struktur betrachten können, die immer aus Einzelfällen besteht und doch ein System bildet.

Wann ist etwas als Unfall zu bezeichnen? Und kann jemand für einen Unfall zur Verantwortung gezogen werden? Die Nacherzählung dieses Falls geht auch der Frage nach, wie wir über etwas sprechen – wie unsere Sprache das Leben einordnet und strukturiert.

Der Film wendet sich Leuten zu, die keine Sprache haben. Nicht im eigentlichen Sinne, denn sie können natürlich kommunizieren, aber sie kennen nicht die Sprache der Verträge und Fußnoten, die für eine begrenzte Zeit ihr Leben am Fließband regelt. Das Band, das immer schneller läuft und wie ein sich teilender Zellorganismus immer weiter Material nachliefert, auch wenn die Hände nicht hinterher kommen. Die Begrenzung der Zeit ist sowohl eine Erlösung, denn nur so ist diese (Arbeits-)Zeit zu ertragen als auch ein Übel. Die LeiharbeiterInnen haben keine Zeit und keine Sprache, in der sie sich organisieren, in der sie sich untereinander solidarisch erklären können.

Wir, Danebenstehende, Daraufschauende, haben eine Sprache, aber wir wissen auch nicht genau wohin.

Und so reden wir und vergessen, rechtfertigen und schämen uns, nehmen Abstand von der Sache, rufen zum Aufstand auf, reden weiter und vergessen wieder, mit der Zeit. An vielen Stellen geht es in dem Film um das nicht im Blick stehende, das in Vergessenheit Geratene: versteckte Waldcampingplätze, vergessene Arbeitsunfälle, die gedehnte Zeit auf dem Nachhauseweg in der Nacht; um Lehrer, die an Protest glauben und Jugendliche, die nicht rebellieren wollen. Um die unsichtbare Ausbeutung und vage Hilflosigkeit gegenüber globaler Wirtschaft und persönlichem Alltag. Aber auch um das diffuse Feld, das sich zwischen den Leidtragenden und den Verantwortlichen befindet. Das Feld, in dem wir uns mit all unseren Illusionen und unserer Naivität selbst verorten. Dieser Raum entsteht im Film zwischen zwei Erzählsträngen, die sich umkreisen und gegenseitig kommentieren, zwischen Bild und Musik, die das Fleisch der Erzählung in Fragmente zerteilen und neu vernähen.

Cast&Crew

STAB

Buch und Regie: Yulia Lokshina
Kamera: Zeno Legner, Lilli Pongratz
Montage: Urte Alfs, Yulia Lokshina
Ton: Yulia Lokshina
Sounddesign: Andrew Mottl
Geräusche: Melanie Jilg, Cornelia Böhm
Tonmischung: Christoph Merkele
Farbkorrektur: Andi Lautil
Produzenten: Isabelle Bertolone, Marius Ehlayil (wirFILM)
Herstellungsleitung HFF: Christine Haupt
Projektleitung HFF: Prof. Karin Jurschick, Prof. Tom Fährmann
Produktion: wirFILM in Zusammenarbeit mit HFF München
Förderung: FFF Bayern (Abschlussfilm-Förderung)

PROTAGONISTEN

Inge Bultschnieder
Peter Kossen

Alexander Klessinger
Und Leiharbeiter*innen, die wir nicht namentlich nennen möchten, um sie zu schützen.

Filmdaten

Titel: Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit
Land/Jahr: Deutschland / 2020
Drehorte: Deutschland
Laufzeit: 92 Min.
Vorführformat: DCP ( andere auf Anfrage)
Aspect Ratio: 1.66
Ton: Dolby Digital 5.1
Sprachen: Deutsch, Rumänisch, Polnisch, Russisch
Sprachfassung: OmU/ deutsche UTs
FSK: 12
Kinostart: 22.10.2020

 

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Altersempfehlung: ab 8. – 13. Klasse (Alter 14 Jahre) 

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